Weird Beard

im Jazzraum

In der Jazztradition verwurzelt, hat Weird Beard eine untypische Basis: eine dem Experiment und dem Punk verschriebene E-Bassistin, ein Drummer aus dem Future Pop Bereich und aus einem undogmatischen Kraftfeld des zeitgenössischen Jazz einen eigenwilligen Klangarchitekten an der E-Gitarre und ein melomaner Saxophonist, der als Kopf der Band einen Traum hat, der über klaren musikalischen Visionen und Zielerreichungen steht: das Wohlsein und Aufblühen des einzelnen Musikers, der in seiner Eigenart im jeweiligen musikalischen Songgefüge seinen Platz finden muss, von wo er am Authentischsten in einem organischen Prozess an der Gestaltung des Bandsounds mitwirken kann. Ohne programmatischen Anspruch lässt Florian Egli gelassen die Musik dahin fliessen, wohin sie zieht. Ohne klare Zielformulierungen mit einer Soundtüftelei beginnen und dann mal schauen, was passiert: das ist die kreative Losung der Band. Hierfür ist eine Haltung der Gelassenheit von zentraler Bedeutung, die sich auch in der unaufgeregten Tonkunst von Weird Beard niederschlägt.

Ihre Musik atmet den Zauber der Gelassenheit. Zudem behalten Weird Beard in aller Eingespieltheit eine unbekümmerte Frische, sowie ein Wohlwollen gegenüber dem Unberechenbaren, das sie vor dem Tauchgang in den Sumpf eines beliebigen Crossovers feit und von klinisch durchkalkulierten Fusion-Projekten abhebt, die unterkühlt seelenlos die musikalische Wärme und Sounderotik eines frischgekachelten Badezimmer haben.

Vielmehr atmet die musikalische Welt von Weird Beard die Weite und lakonische Ruhe einer nordischen Landschaft, um die der Nimbus der Melancholie schwebt, wobei man von warmen Melodien und sinnlichen Phrasierungen wohlig eingelullt wird. Gelegentlich elegisch, hin und wieder wieder fröhlich, zwischendurch zerbrechlich-sanft aber dann auch explosiv laut geht es im mit allen Zwischentönen versetzten musikalischen Kosmos von Weird Beard zu und her. Die Kommunikation der vier Musiker ist nicht (zwie-)gesprächig im Sinne eines traditionell verstandenen jazzmässigen Interplays, sondern beruht auf subtiler Interaktion, die primär auf atmosphärische Schwingungen auf der Sound und Groove Ebene reagiert. Stets lebendig sorgt die lose konstruierte Musik für spannungsreiche dynamische Entwicklungen mit offenem Ende.

Danach Jam-Night in der Bar