Wir wollen aktuelle Musik!

Die neue Pop-Programmkommission vom Mehrspur im Interview mit Tobias Rüetschi.

Wie beim Essen ist es auch bei der Musik: Wenns nicht frisch ist, dann schmeckt das nicht. Jeden Tag den selben grauen Einheitsbrei verstopft einem die Ohren und verdirbt die Laune, das weiss zumindest jeder, der sich an einem Sonntagnachmittag (aus welchem Grund auch immer) die Hitparade anhört. Die drei Mitglieder der Pop-Kommission haben aber mit dem Pop-Menüplan des Mehrspurs einiges vor, damit dein Appetit nach frischen Sounds schön gestillt wird.

Tiffany Limacher studiert im zweiten Jahr Pop-Gesang, ursprünglich aus Luzern, wohnt aber nun auch in Zürich. Florian Sommer studiert Pop-Gitarre im dritten Jahr, kommt aus Winterthur. Silas Kutschmann, der beim Gespräch leider nicht teilnehmen konnte, kommt aus St. Gallen und studiert im dritten Jahr Pop-Gesang Schulmusik.

Was macht ihr eigentlich als Pop-Kommission?

Florian: Wir sind in einerseits zuständig fürs Programm, andererseits kümmern wir uns an Konzertabenden auch um die Bands. Wir sind die Gastgeber des Abends, hosten die Bands, machen ja nach Veranstaltung auch Ansagen auf der Bühne. Das ist aber bei Pop-Bands nicht so beliebt. Das ist eher so ein Jazz-Ding.

Tiffany: Weiter kümmern wir uns auch etwas um das interne Leben hier an der Jazz- und Popabteilung der ZHdK. Wir motivieren die Studis, dass sie auch wirklich die Konzerte ihre Kollegen und Kolleginnen anhören kommen. Und es ist natürlich einfacher, die Leute in den Klub zu lotsen, wenn das Programm attraktiv ist, dann kommen auch an einem Samstag ein paar Studenten ins Toni. Diesen Teil der Arbeit finde ich sehr spannend, Networking ist gerade für uns Künstler enorm wichtig, und ich glaube, dass wir da noch mehr rausholen können.

Wie lange macht ihr den Job schon?

Tiffany: Ich mach das jetzt schon etwa ein Jahr, Florian ist neu dabei. Bis jetzt habe ich zusammen mit Silas nur Pop-Ups gemacht, das sind die kleinen Popkonzerte Mittwochs in der Bar mit anschliessender Jamsessions. Im Club konnte ich zwar schon ein paar Bookingvorschläge einbringen, aber ein ganzes Konzert organisiert habe ich dort noch nie.

Was sind die Kriterien, die ihr für potentielle Mehrspur-Bands habt?

Tiffany: Ein bis anhin wichtiges Kriterium war, dass mind. ein Bandmitglied einen Bezug zur ZHdK haben muss, sprich hier studieren muss oder dozieren muss. Dies schränkte die Programmarbeit natürlich massiv ein, es ist bspw. schwierig, einen stilistischen Bogen für einen Abend zu spannen, Bands zu finden, die für einen Abend stilistisch gut zusammenpassen. Zusätzlich nicht zu unterschätzen ist dabei die Terminsuche, viele Bands sind ja nur zu bestimmten Zeiten auf Tourneen, dass da mal was zusammen passt, ist reiner Poker. Damit wir diesbezüglich mehr Spielraum haben, werden wir uns auf kommende Saison hin bei der Programmierung vom zwingenden ZHdK Bezug lösen. So können wir auch stilistisch noch breiter werden und auch Acts buchen, die von aussen kommen und aktuell angesagt sind. Dies gibt wichtige Inputs auch für die Studis, welche wir aber sicher nicht vergessen werden… es gibt enorm viele coole aufstrebende Bands an unserer Schule.

Und was sind so euere persönlichen Vorlieben?

Florian: Mir gefällt vor allem Indie und Rock, aber auch Elektronisches. Aber natürlich immer im Band-Kontext, mit DJs kenn ich mich zu wenig aus. Silas ist im Singer-Songwriter-Bereich zuhause, in der Szene kennt er sich aus. Er macht ja auch selber solche Musik. Ich glaube, wir alle buchen eher Bands, die aus dem Genre kommen, in welchem wir uns zuhause fühlen und wir auch selber spielen.

Tiffany: Mir ist es wichtig, dass die Bands, die wir buchen, auch aktuell sind. So kommen auch Leute ins Mehrspur, die sonst nicht in den Club kommen würden oder noch nie bei uns waren. Ich bin überzeugt, wir müssen da breitgefächert fahren und offener werden – und vielleicht ab und zu auch mal etwas Frecheres wagen, als bis jetzt gebucht wurde. Das würde dem Mehrspur gut tun.

Frech in wie fern?

Tiffany: Zum Beispiel das man das Experiment wagt, einen eher populäreren Künstler, wie bspw. Nemo auf die Bühne zu stellen, der im übrigen auch hier an der Schule Pop studiert. Der zieht halt ein völlig anderes Publikum an als eine geile Jazzband oder so.

Florian: Ja, wir wollen unbedingt ein wenig raus, die Szene erforschen.

Tiffany: Genau, man muss halt einen Weg finden, das Mehrspur einerseits attraktiv zu machen und anderseits auch die Studierenden und Dozierenden eine Plattform zu geben. Dies ist vor allem deshalb wichtig, weil es nicht mehr so viel Laufkundschaft gibt wie früher am Bellevue, die Lage ist leider wirklich nicht gerade zentral…

Wo streckt ihr eure Fühler aus, um genau solche Acts zu finden?

Florian: Als Pop-Studenten sind wir selber ziemlich tief im Kuchen drin. Vieles läuft übers Gespräch mit Musikern. Viele meiner Musik-News hole ich auch über Facebook oder über Musikblogs und Magazine. Oder halt Instagram.

Tiffany: Um Social-Media kommt man als Musiker heutzutage nicht herum.

In Zürich ist die Konkurrenz an Ausgangsmöglichkeiten gross. Was wäre ein Grund, dieses Wochenende ins Mehrspur an ein Konzert zu gehen statt an die Langstrasse?

Florian: Einerseits ist die Langstrasse nicht weit entfernt, gerade mit dem Velo. Aber im Mehrspur gibt es sozusagen eine Qualitätsgarantie. Wir schauen bei der Programmauswahl enorm darauf, dass das musikalische Niveau hoch ist und garantiert eine gute Performance hingelegt wird. Bei uns ist dank der fantastischen Musikanlage auch der Sound um einiges besser als in den meisten Langstrassen-Clubs.

Tiffany: Ja, die Ausstattung des Clubs ist komfortabel. Wir haben auch fähige Techniker, die natürlich auch einen grossen Anteil am Sound haben. Und im Mehrspur lebt die Szene, hier trifft man andere Musiker oder auch Künstler von anderen Genres oder Kunstrichtungen, kann Kontakte knüpfen, das macht das Mehrspur extrem attraktiv für musikinteressierte Leute.

Und was sind so euere Highlights in den kommenden Monaten?

Florian: Natürlich mein Bachelorkonzert im April! (lacht) und natürlich die meiner Mitstudierenden.

Tiffany: Wie gesagt, viele Bands sind noch nicht sehr bekannt, aber jedes Konzert ist einzigartig. Da kann man immer etwas mitnehmen, auch wenn man nicht im Stil der Band zu hause ist. Das Niveau und die Kreativität hauen mich immer wieder um!

Florian: Die Bachelorkonzerte sind auch deshalb extrem spannend, weil sich da zeigt, was man in diesen drei Jahren Studium gelernt, welche Fortschritte man erzielt hat. Im Juni, an Output-Festiva-Konzerten ist dann sowieso immer recht ausgelassene Stimmung, vor allem ab dem zweiten Jahr, wenn alle Theoriefächer durch sind!